Grundschulkinder schreiben über ihre Corona-Zeit

Wie Wormser Kinder Corona sehen

Zwei Wochen hatten die Viertklässler Zeit, für einen Wettbewerb über ihre persönlichen Erfahrungen der letzten Monate zu schreiben. Jetzt wurden die Preise verliehen.
Von Katarina Schröder

Rucksäcke, Lesegutscheine und Trinkflaschen gab es für die zwölf ausgewählten Schüler. Foto: BilderKartell/Boris Korpak
Rucksäcke, Lesegutscheine und Trinkflaschen gab es für die zwölf ausgewählten Schüler.
(Foto: BilderKartell/Boris Korpak)

WORMS – „Es ist wichtig, die Kinder zu Wort kommen zu lassen“, sagt Claudia Koch, Leiterin der Fach- und Koordinierungsstelle „Demokratie leben!“, zur Preisverleihung des Schreibwettbewerbs „Kinder schreiben über ihre Corona-Zeit“.

Zwei Wochen hatten die Viertklässler aller Wormser Grundschulen Zeit, einen Aufsatz über ihre persönlichen Erfahrungen der letzten Monate zu schreiben. Von 760 Viertklässlern nahmen 90 an dem Wettbewerb teil. Die besten zwölf Teilnehmer wurden nun vor dem Wormser Rathaus geehrt.

Zu den zwölf Gewinnern gehört Jamie Wiechert aus Rheindürkheim. Der Viertklässler belegte mit seinem Aufsatz den dritten Platz. Inhalt seiner Arbeit war, wie die Kinder im Unterricht erfuhren, dass es vorerst keinen Unterricht im Klassenzimmer mehr geben werde. Er erzählte außerdem davon, wie er den Wochenplan meisterte und wie zahlreiche Veranstaltungen, zum Beispiel das Fußballtraining, ausfielen. Die anderen Teilnehmer fühlten es ihm nach und ergänzten ihre Erlebnisse zu den Folgen der Kontaktbeschränkung.

„Es ist wichtig, dass die Kinder über ihre Erfahrungen berichten, wie sie diese Zeit erlebt haben“, erklärte Koch die Entstehung der Projektidee. „Irgendwann ist das ein Zeitdokument“, ordnete sie die Texte der Schüler ein.

Koch initiierte das Projekt gemeinsam mit Bertram Schmitt von der Drucklernwerkstatt „Der kleine Gutenberg“. „Wir haben extra Grundschulen genommen, kein Gymnasium, weil da Kinder aus allen Gesellschaftsschichten drin sind“, führte Schmitt weiter aus. „Nicht alle Kinder haben von zu Hause aus die Möglichkeit, Schriftsprache zu erlernen. Wir haben versucht, das bei der Auswertung zu beachten“, so der ehemalige Lehrer. In diesem Sinne sollte der Wettbewerb die Kinder nicht nur dazu anregen, aktiv die Corona-Zeit zu verarbeiten, sondern auch die Freude am Schreiben wecken.

PREISTRÄGER DES SCHREIBWETTBEWERBS
Mara Marincevic, Kerschensteiner Schule; Joel Diefenthäler, Kerschensteiner Schule; Jamie Wiechert, Grundschule Rheindürkheim; Matthias Kern, Grundschule Rheindürkheim; Rawan Obeid, Neusatzschule; Mariam Grober, Diesterweg Grundschule; Ronja Schönsteiner, Kerschensteiner Schule; Rafael Brommer, Geschwister-Scholl-Schule; Ida Stellingwerf, Paternus Grundschule; Zeynab Rahal, Karmeliter Grundschule; Dave Busch, Staudinger Grundschule; Ecem Üstün, Pestalozzis
chule.

Als Jury reihten sich neben Koch und Schmitt Patricia Schäfer, Leiterin des Alisa-Zentrums, und Waldemar Herder, Schuldezernent, ein. Letzterer überreichte die Preise an die zwölf ausgewählten Schüler. Verliehen wurden Rucksäcke, Lesegutscheine im Wert von 20 Euro und Trinkflaschen. Für die Plätze zwei bis fünf gab es einen Gutschein für einen Workshop in der Drucklernwerkstatt „Der kleine Gutenberg“. Der erste Platz, den Mara Marincevic von der Kerschensteiner Schule belegte, wurde mit einer Teilnahme am Alisa-Herbstferienprogramm „Englisch fun & action“ geehrt.

Insgesamt bewertete die Jury die Arbeiten als sehr gelungen. Lobende Worte äußerte Patricia Schäfer: „Das ist eine tolle Qualität, die da geliefert wurde.“ Sie bezeichnete die Arbeiten gar als „Wortkunstwerke“. Auch Herder zeigte sich sichtlich erfreut über das Ergebnis und bot zum Abschluss der Veranstaltung allen Teilnehmern, deren Lust am Lesen und Schreiben nun geweckt ist, eine private Führung in der Stadtbibliothek an.
Bericht: Wormser Zeitung, Samstag, 27.06.2020


Eigener Bericht von der Vorbereitung des Schreibwettbewerbs

Alle vierzehn Wormser Grundschulen habe ich am Freitag, den 29.05.20 aufgesucht, um die Materialien für den Schreibwettbewerb „Kinder schreiben über ihre Corona-Zeit“ abzugeben. Da war kein Pausengewimmel, wie man es sonst auf den Schulhöfen kennt. Stattdessen gab es kleinere Gruppen spielender Kinder mit Masken, die gehörigen Abstand voneinander hielten. Auch Lehrkräfte und Schulleiter trugen Nasen – und Mundschutz. Eine Schulleiterin meinte, als sie das Material bekam, eigentlich müsse es auch ein Schreibprojekt für Lehrkräfte geben.

Genau am 12. März 2020 waren die ersten vier Wormser Schulen im BIZ geschlossen worden, weil ein Schüler positiv auf SARS-CoV-2 getestet wurde. Die Schließung der anderen Schulen erfolgte ab 16.03.20. Auch alle Grundschüler und – schülerinnen durften nicht mehr die Schule besuchen. Sie bekamen nur noch Aufgaben, die sie Zuhause bearbeiten sollten. Kontakt zu Lehrerin oder Lehrer war nur über Telefon oder PC möglich. Die Kinder mussten selbst mit den Aufgaben klar kommen, wenn sie keine Hilfe von Eltern, Geschwistern oder jemand anderem bekamen.

Schulfreunde und Schulfreundinnen konnten sie lange Zeit nicht treffen, nicht einmal draußen. Sogar Spielplätze blieben geschlossen. Es gab keine Aktivitäten im Sportverein, kein Fußball, kein Schwimmbad und kein Kino. Erst seit 04. Mai besuchen die Schüler- und Schülerinnen der vierten Klassen wieder in die Schule im Schichtbetrieb und unter strengen Hygieneauflagen.

Ende April hatte Claudia Koch, die für die Stadt Worms die Projekte von „Demokratie Leben“ (DL) des Programms des Bundesfamilienministeriums koordiniert, mich angerufen. Sie machte den Vorschlag eines Schreibwettbewerbs, der SchülerInnen die Gelegenheit geben könnte, über ihre Erlebnisse während der Schulschließungen der Corona-Zeit zu berichten.
Als Lehrer und Schulleiter in Ruhestand, dessen Drucklernwerkstatt „Der kleine Gutenberg“ auch wegen Corona stillsteht, fand ich es eine prima Idee. Ganz nach dem Motto von Celestine Freinet „Den Kindern das Wort geben“ könnten diese so Corona-Erlebnisse aus ihrer Sicht schildern und der Öffentlichkeit zugänglich machen.
DL-Projekte brauchen immer auch einen Träger, der sie beantragt. Patricia Schäfer, Leiterin des Alisa Zentrums Worms, war gleich mit im Boot. So wurden die Koordinaten des Schreibwettbewerbs gemeinsam festgelegt und Schmitt machte sich an die Umsetzung.
Ein Flyer, der den Kindern den Schreibwettbewerb erklärt, wurde erstellt. Darin heißt es:

Schreibe uns deine Geschichte, wie du mit der Corona-Zeit klar gekommen bist. Hier ein paar Fragen, die dir vielleicht beim Schreiben helfen…

  • Hast du dich gefreut, dass du nicht in die Schule musst?
  • Hast du verstanden, warum die Schulen geschlossen waren?
  • Was war schwierig? Was hast du kaum ausgehalten?
  • Hattest du besondere Angst vor etwas?
  • Wer oder was hat dir besonders gefehlt?
  • Wer oder was hat dir geholfen?
  • Hast du vielleicht Neues entdeckt?
  • Wie hat sich deine Stimmung mit der Zeit verändert?
  • Was wünschst du dir im Moment?

Schreibe uns alles auf, was dir einfällt, über die Zeit ohne Schule mit den vielen Einschränkungen deines Alltags.

Ihren Text sollen die Grundschulkinder auf ein vorgedrucktes Blatt schreiben. Ein Brief an die Lehrkräfte wurde ebenfalls formuliert.  Schließlich sind die Bedingungen für geregelten Schulunterricht derzeit alles andere als einfach und dann kommen auch noch solche „Extra-Aufgaben“ dazu.

Zwei Wochen Zeit haben die Viertklässler und Viertklässlerinnen jetzt um ihre Geschichte über die Corona-Zeit in Wort und vielleicht auch Bild zu Papier zu bringen.

Eine Jury wird danach die besten Arbeiten auswählen. Zwölf Preisträger soll es geben. Der erste Preis ist die Teilnahme am ALISA-Herbstferienprogramm: „Englisch fun & action“. Die Preise zwei bis fünf sind Gutscheine für einen gemeinsamen Workshop in der Drucklern- werkstatt  „Der kleine Gutenberg“. Außerdem gibt es Lesegutscheine im Wert von jeweils 20,- Euro und den tollen ALISA-Rucksack zu gewinnen.

Natürlich ist auch eine Ausstellung geplant. Diese könnte zunächst in der Schule des Kindes, das den ersten Preis gewinnt, stattfinden. Sie soll für die anderen Grundschulen vervielfältigt werden. Auch eine Ausstellung im Rathaus ist vorgesehen.

Um die Aktionen zum Schreibwettbewerb abzuschließen ist bis zum 4. Juli Zeit. Danach kommen die Sommerferien und dann hoffentlich wieder ein „normales“ Schuljahr.