„Die hohen Wohltaten der Druckerei sind mit Worten nicht auszusprechen“ Martin Luther

„Der Buchdruck ist das höchste und größte Geschenk Gottes, weil Gott durch dieses Mittel die wahre Religion bis ans Ende der Welt bekannt machen und in alle Sprachen übertragen will.“
Auch dies ein Zitat von Martin Luther, das verdeutlicht, dass ihm die Wirkung des Druckens für seine Zielsetzung Glauben und Kirche zu verändern vollkommen bewusst war. Eine Technik, die rund 70 Jahre nach der Erfindung durch Gutenberg, bereits ganz Europa erobert hatte.

Zwei Druckworkshops boten kurz nach Beginn der Landesausstellung im Museum Andreasstift Kindern und Jugendlichen die Möglichkeit durch das Drucken von Lutherzitaten diese Gutenberg-Erfindung kennzulernen und Luthers Gedanken nachzuempfinden. 

Im Obergeschoss des Museums waren vier Setzstationen aufgebaut, an denen die TeilnehmerInnen mit beweglichen Lettern, Blindmaterial, Winkelhaken und Setzschiff ein zuvor ausgewähltes Zitat von Martin Luther setzen konnten. War der Satzspiegel im Setzschiff montiert, konnten sie einen passenden Linoldruckstock aussuchen und diesen ebenfalls im Setzschiff montieren.

In der bereitstehenden Korrekturpresse wurden Linolschnitt und Text mit den drei Grundfarben gedruckt. So hatte jede/r schließlich fertige Drucke im DIN A 4 Format.
Ganz so, wie die Flugblätter zu Lutherzeit, die von Befürwortern und Gegnern der Reformation zu Tausenden unter die Leute gebracht wurden. Die damaligen Schwarz-Weiß-Drucke wurden jedoch nicht umsonst verteilt. Ein Flugblatt kostete etwas soviel wie zwei Maß Bier oder 12 Eier.
Am 10.07.21 waren nur Mädchen am Druckworkshop beteiligt. Die jeweils  ausgesuchten Lutherzitate lassen sich beim Vergößern der Fotos gut erkennen:

Am Sonntag, den 11.07.21 waren auch Jungs und sogar eine Familie dabei. Und ein Kamerateam von SWR 3 machte Aufnahmen. Der Bericht wurde abends um 19.45 Uhr bei SWR 3 Aktuell  gesendet.

 

Drucken von Luther-Zitaten im Museum Andreasstift Worms

 
Die Rheinpfalz berichtet:
Worms Museumsworkshop: „Drucken von Luther-Zitaten“

Mädchen am Setzpult
Zeile um Zeile entsteht ein Text mit beweglichen Lettern. Foto: Eichfelder-Artworks/frei

Brandheiße Nachrichten werden heute über das Internet verkündet. Aber bereits durch die Erfindung des Buchdrucks verbreiteten sich Ideen und Informationen rasch. Das Medium verhalf der Reformation in kurzer Zeit zu vielen Anhängern. In den offenen Werkstätten der Wormser Museen können Kinder und Jugendliche den Buchdruck kennenlernen und selbst Luther-Zitate drucken.

„Anmelden, vorbeikommen, mitmachen“ lautet das Motto der offenen Werkstätten, die Museum Live, das museumspädagogische Angebot der Wormser Museen, im Rahmenprogramm der Landesausstellung „Hier stehe ich. Gewissen und Protest – 1521 bis 2021“ anbietet. Eingeladen sind Kinder und Jugendliche ab acht Jahren, sich mit Themen der Ausstellung kreativ auseinanderzusetzen.

Den Anfang macht am Wochenende der Workshop „Drucken von Luther-Zitaten“. Dabei lernen die Teilnehmer die Technik des Druckens kennen und dürfen diese ausprobieren. Das heißt, sie setzen wie einst der Erfinder Johannes Gutenberg mit beweglichen Buchstaben und Zeichen Wörter, Sätze, Texte. Bei diesem Seminar bilden nun Luther-Zitate die Vorlage. Der Text wird mit einem vorhandenen Bild als Linoldruckstock kombiniert und farbig gedruckt. Geleitet wird die offene Werkstatt von Bertram Schmitt von der Drucklernwerkstatt „Der kleine Gutenberg“.

Noch Fragen?

„Drucken von Luther-Zitaten“ für Kinder ab acht Jahren, Samstag/Sonntag, 10./11. Juli, jeweils 14 bis 17 Uhr, im Museum der Stadt Worms im Andreasstift, Weckerlingplatz. Eine Anmeldung ist nötig per E-Mail an museumsvermittlung@worms.de.

Bericht, Die Rheinpfalz – online, 2021-07.06, Christina Eichhorn

Prima Premiere für die neue Kellerdruckwerkstatt

„Unsere Mädels waren jetzt wochenlang kaum in der Schule und konnten wegen der Corona-Einschränkungen auch nichts zusammen unternehmen.“ meinte eine befreundete Lehrerin, die mit ihrer Klasse schon vor der Corona-Zeit für ein Druck-Projekt im kleinen Gutenberg zu Gast gewesen war.

Also hatte sie die Idee mit ihrer Tochter und deren drei Freundinnen in den neuen Druckkeller zu einem Druckworkshop zu kommen.
Wir fanden es eine ausgezeichnete Idee zum ersten Mal  die Möglichkeiten der seit Anfang des Jahres 2021 neu eingerichteten Druckwerkstatt im renovierten Keller auszuprobieren und freuten uns sehr auf die vier Grundschülerinnen.

Toll war auch, dass die Mädels in der Schule Elfchen, also kleine Gedichte mit elf Wörtern, geschrieben hatten. Diese ließen sich sehr gut mit beweglichen Lettern setzen. Dazu suchte sich jede aus den zahlreichen vorhandenen Linoldruckstöcken einen geigneten heraus.
Im Setzschiff wurden diese jeweils mit dem fertigen Satzspiegel zusammengebaut. Dann konnten alle vier ihr Werk drucken.

Natürlich haben wir aus dem erfreulichen Anlass in der Arbeitspause im Hof auch mal auf die Premiere angestoßen.

95 Storys – Medienwerkstatt für Jugendliche – vom Buchdruck zum Smartphone

 

 „95 Storys“ ist ein Gemeinschaftsprojekt der Nibelungenfestspiel GmbH und der Alisa-Stiftung Worms.
Tobias Steinfeld, der die Medienwerkstatt für Kinder und Jugendliche zwischen 11 und 17 leitete, beschreibt das Projekt so:
„Was wünschst du dir? In was für einer Welt willst du leben? Wie soll die Zukunft aussehen? Was gefällt dir und was nicht? Was fehlt Worms, was fehlt der Welt?
500 Jahre nachdem Martin Luther seine 95 Thesen in Worms verteidigte, bist du dran. Du schreibst deine ganz persönlichen Wünsche, Meinungen, Hoffnungen, Gesetze oder Beobachtungen auf. Die müssen natürlich an die Öffentlichkeit. Da wir heute wesentlich mehr Möglichkeiten haben, als Luther damals, wollen wir diese auch nutzen: Wir machen Selfies, kurze Videos und Podcasts. Wir schreiben mit der Hand und natürlich drucken wir. Denn wäre der Druck nicht erfunden worden, wären Luther und seine Thesen vielleicht nie berühmt geworden. Am Ende sollen eure Botschaften offline in Worms und eure Storys online über die Stadtgrenzen hinaus für Furore sorgen.“

Flugblatt "Luther vor dem Reichstag in Worms"

Holzschnitt „Luther vor dem Reichstag“ – Foto aus der historischen Druckwerkstatt von Lukas Cranach in Wittenberg

Keine Reformation ohne Buchdruck, aber auch kein Medienereignis ohne Reformation.

Diese historischen Zusammenhänge sollten Jugendliche kennen, wenn sie sich mit den Möglichkeiten seine eigene Meinung in den Medien zu verbreiten befassen. Insbesondere, wenn es sich um ein Projekt als Begleitveranstaltung der Nibelungenfestspiele 500 Jahre nach Luthers Aufenthalt in Worms mit seinem Auftritt vor dem Reichstag handelt.
So erklärt sich, dass ein Druckworkshop des „kleinen Gutenberg“ Bestandteil des Projekts 95 Storys ist.

Die hohen Wohltaten der Druckerei sind mit Worten nicht auszusprechen“, stellte Martin Luther in seinen Tischreden fest und meinte damit vor allem die schnelle Verbreitung der Bibelübersetzung und der reformatorischen Schriften. Luther war  der Erfolgsautor des 16. Jahrhunderts. Seine Bücher machten rund ein Drittel der gesamten deutschsprachigen Buchproduktion aus. Um 1520 kursierten nach Schätzungen etwa 300.000 Exemplare seiner Druckschriften in Deutschland, um 1530 waren es ca. 1/2 Million. Zahlen, die angesichts des damals weit verbreiteten Analphabetismus erstaunlich sind.
Buchdruck und Buchhandel erlebten durch die Reformation einen ungeheuren Aufschwung. Es war aber ein Verhältnis auf Gegenseitigkeit:  Luther hatte also allen Grund, Gott öffentlich zu danken: „Der Buchdruck ist das höchste und größte Geschenk Gottes, weil Gott durch dieses Mittel die wahre Religion bis ans Ende der Welt bekannt machen und in alle Sprachen übertragen will.“ 
aus: Klaus Kösters Der Kampf um den rechten Glauben und die Druckgraphik westfaelische-geschichte/portal/Internet/

Ein Flugblatt kostete zu Luthers Zeiten etwas soviel wie zwei Maß Bier.
Andere wichtige Medien der Zeit waren Flugblatt und Flugschrift. Dabei ist die Flugschrift sozusagen der große Bruder des Flugblatts, umfasste sie doch mehrere Seiten. Damit ist die Flugschrift so etwas wie der Vorläufer der Zeitung. Ein wichtiger Unterschied zu unseren heutigen Flugblättern ist, dass Flugblätter in der Frühen Neuzeit nicht etwa kostenlos verteilt wurden: sie wurden verkauft. Schätzungen gehen davon aus, dass ein Flugblatt etwa den Stundenlohn eines Handwerkers kostete – das entsprach etwa dem Preis von zwei Maß Bier oder einem Dutzend Eiern.
https://www.luther2017.de/

Am 27. und 28. Mai 2021 hatten wir unsere mobile Druckwerkstatt in den Räumen der Alisa-Stiftung in Worms aufgebaut.
In zwei Gruppen – den Corona-Regelungen gemäß mit Abstand und FFP2 Masken – lernten die Jugendlichen das Setzen und Drucken mit beweglichen Lettern, wie es Johannes Gutenberg ungefähr siebzig Jahre vor Luthers Auftritt in Worms erfunden hatte.
Die Kombination von Bild und Text wurde mit den Flugblättern und Flugschriften zu Luthers Zeit zur Steigerung der Popularität Luthers sowie zur Verbreitung reformatorischer Inhalte genutzt.

Thesenblatt Projektteilnehmer
Entsprechend kombinierten die jungen Leute ihre gedruckten Statements mit selbst geschaffenen Linolschnitten. Und schufen so Flugblätter mit ihren eigenen Thesen nach historischem Vorbild. 

 

Buch: „Grundschulkinder schreiben über ihre Corona-Zeit“

Seit dem 02.02.2021 gibt es das lange erwartete Buch mit Texten der Grundschulkinder aus dem Schreibwettbewerb zu den Schulschließungen wegen Corona  von März bis Mai 2020. Diesen hatte „Demokratie Leben“ in Zusammenarbeit mit der „Wormser Alisa Stiftung“ und dem „kleinen Gutenberg“ im Juni 2020 durchgeführt.

Das Buch ist zu beziehen über den Worms Verlag.

In SWR-Aktuell am 09.02.2021 um 19.30 Uhr wurde dieses Video gesendet mit vier Kindern, die aus  ihren Texten im Buch vorlesen. Die Aufnahmen sind gut gelungen.
Es fehlt aber im Beitrag jegliche Information über den Entstehungszusammenhang des Buches. Umfängliche Informationen dazu hatte ich der Redaktion zukommen lassen.
Zum Ansehen aufs Foto klicken…

RPR berichtete in einem kurzen Beitrag am 05.02.2021 um 18.20 Uhr über unser Buch.

… und hier können Sie einen Bericht des Mannheimer Morgens und einen der Rheinpfalz als PDF ansehen.

Am 25 Juni 2020 wurden die 12 PreisträgerInnen unseres Schreibwettbewerbs am Wormser Rathaus geehrt und bekamen ihre Preise übergeben. (Bericht auf dieser Website)

Idee und Entstehung des Buches

Berthold Röth vom Worms Verlag hatte die Idee, die Texte der Kinder in einem eigenen Band der neuen Reihe „Edition Kulturelle Bildung“ zu veröffentlichen. Mir fiel die Aufgabe zu, die vorbereitenden Arbeiten für das Lay Out zu erledigen.

Zunächst war von den beteiligten Kindern bzw. deren Eltern die Einwilligungserklärung für die Veröffentlichung des Textes einzuholen. Da auf postalische Anfrage an rund 80 Eltern zu wenig Rücklauf kam, kostete mich dies mehrere halbe Tage, ein Wochende eingeschlossen. Dabei lernte ich viele Viertel unserer schönen Stadt und ihrer Vororte kennen, die ich bisher noch nie aufgesucht hatte.

Danach galt es die handgeschriebenen Texte der Kinder abzutippen, zu ordnen und zu illustrieren. Dabei konnte ich auf einige Zeichnungen der TeilnehmerInnen zurückgreifen. Drei Jungs, die zu den ersten Preisträgern gehörten, hatten als Preis einen Workshop in meiner Drucklernwerkstatt gewonnen und fertigten schöne Linolschnitte zu ihren Texten.

Darüber hinaus konnte ich Linoldrucke von Ganztagskindern der Pestalozzischule verwenden. Diese waren während vorgehender Druck-Workshops entstanden, die von „Demokratie Leben“ gefördert worden waren. Dafür fungierte die „Alisa-Stiftung Worms“, die sich sehr stark für die SchülerInnen der Pestalozzischule engagiert, jeweils als Träger. ( Berichte auf dieser Website).
Der Linolschnitt „ Keine Schule mehr – Ja!“ der die Titelseite unseres Büchleins schmückt, stammt ebenfalls von einer Pestalozzischülerin.

Da wir das Buch gerne vor Weihnachten auf dem Markt gehabt hätten, war ich mit meinen Arbeiten Ende September fertig und übermittelte dem Verlag die Dateien.

Leider dauerte es dann doch bis Ende Januar, bis die Bücher gedruckt waren.

Betrachtungen zu Durchführung und Ergebnissen unseres Schreibwettbewerbs
Diese lassen sich vorne im Buch genauer nachlesen.

Ein Ideengeber für meine Druckaktivitäten mit Kindern und Jugendlichen in und außerhalb der Schule ist der französische Pädagoge Celestine Freinet. Er hat schon in den 1920er Jahren in Frankreich mit Kindern Texte gedruckt. Sein Motto war „Kindern das Wort geben“. So hat er dafür gesorgt, dass die Texte seiner SchülerInnen nicht einfach im Papierkorb verschwanden, sondern durch Drucken aufgewertet und einer Öffentlichkeit zugänglich gemacht wurden.

Genau in diesem Sinn führte ich in der Drucklernwerkstatt – unterstützt von „Demokratie Leben“ – das vierte halbjährliche Druckprojekt mit Kindern der Pestalozzischule durch. (Bericht auf dieser Website) Exakt das entspricht auch dem Anliegen unseres Schreibwettbewerbs.

Am 12. März 2020 waren die ersten vier Wormser Schulen im BIZ geschlossen worden, weil ein Schüler positiv auf SARS-CoV-2 getestet wurde. Die Schließung der anderen Schulen erfolgte ab 16.03.20. Erst seit 04. Mai besuchen die Schüler- und Schülerinnen der vierten Klassen wieder die Schule im Schichtbetrieb und unter strengen Hygieneauflagen.

Zu dieser Zeit haben wir rund 760 Kindern in den Vierten Klassen aller Wormser Grundschulen angeregt, über ihre „Corona-Zeit“ zu erzählen. Von 90 Kindern aus 12 Schulen haben wir Texte erhalten. 63 davon sind im Buch enthalten.

Uns war bewusst, dass die schwierige Situation in den Schulen mit Einhaltung der Hygieneregeln und Schichtbetrieb, sowie viele Wochen mit Präsenzunterrichts-ausfall die Durchführung einer solchen Extraaufgabe in den Klassen schwierig gemacht hat. Deswegen bedanken wir uns sehr, dass etliche Lehrkräfte trotzdem das Anliegen ihren Schülerinnen und Schülern zugänglich gemacht haben.

In unseren Grundschulen werden die Kinder aus allen gesellschaftlichen Schichten gemeinsam unterrichtet. Sie sind wirkliche Gesamtschulen für alle Kinder.

Will man die Texte in diesem Band einordnen, so ist es gut, sich bewusst zu machen, dass die meisten von Kindern stammen, die in Mittelschichtfamilien aufwachsen. Das dort vorhandene Bildungs- und  Kommunikationsniveau hat es ihnen erlaubt, ihre Kompetenz in der deutschen Sprache und Schriftsprache gut auszubilden. Entsprechend geprägt ist ihr Erlebnishintergrund während der Zeit der Schulschließungen.

Aus keinem der vorliegenden Texte geht hervor, dass Kinder aus Familien dabei sind, in der sich eine sowieso schon schwierige soziale Situation bei geringem Einkommen und beengten Wohnverhältnissen während der Corona-Zeit erheblich verschärft hat.

Unter solchen Bedingungen fehlt es meist an Faktoren, die Sprachkompetenz fördern und Grundschule kann es unter den gegebenen personellen Umständen nur schwer leisten, dies auszugleichen.

Selbst wenn sie bereit wären darüber zu berichten, dürften die wenigsten solcher Kinder sich in der Lage sehen, über ihre beschwerliche Situation in der Corona-Zeit Texte abzufassen. Sie werden durch einen Schreibwettbewerb eher nicht erreicht.

Erfreulich wiederum ist es, dass nicht wenige Kinder aus Migrantenfamilien, die erst relativ kurze Zeit in Deutschland leben, offensichtlich ein Sprachniveau erreicht haben, dass es ihnen erlaubt, ihre Corona Geschichte zu erzählen.

Ich wünsche allen Leserinnen und Lesern des kleinen Bandes interessante Einblicke in die Erlebniswelt der teilnehmenden Grundschulkinder während der Corona-Zeit.

Denn schließlich ist die Thematik derzeit fast noch relevanter als im letzten Frühjahr.
Im folgenden Video des Worms Verlages berichte ich über die Vorgeschichte des Buches.
Wenn Sie nur den 2. Teil des Videos sehen wollen beginnen Sie bei 16:56 Minuten.

Folgend sind drei der Preisträger des Schreibwettbewerbs – Joel, Matthias und Jamie – mit den  Linolschnitten zu ihren im Buch enthaltenen Texte abgebildet.

 

Druckprojekt IV mit PestalozzischülerInnen

Während des Jahres 2020 wurde nicht wie in den letzten Jahren ein Projekt pro Schulhalbjahr in meiner Lernwerkstatt durchgeführt. Wegen der Corona bedingten Schulschließungen erstreckte sich das vierte Projekt über das ganze letzte Jahr.
Das Drucklernprojekts heißt „Grundschulkinder entdecken mehr vom alten Worms“. Es wurde durchgeführt vom 05.02.2020 – 29.01.2021.

Unser Druckteam bestand aus insgesamt 12 Kindern. Eigentlich hätte diese Druck-AG von Februar bis Juli 2020 dauern sollen. Durch die Schließung der Schulen ab 12. März wegen Corona wurde die AG nach drei Treffen in der Druckwerkstatt stillgelegt.
Deshalb enthält unser Buch anfangs die Drucke, die die ersten sechs Kinder bis dahin angefertigt hatten. Sie verließen die Pestalozzischule aber nach der vierten Klasse.
Mit Beginn dieses Schuljahres kamen wir sechs Kinder ins Projekt – fünf Mädchen und ein Junge aus der  Klasse 3a.
Erst haben wir gelernt, wie man Buchstaben zu Texten setzt und wie man schöne Bilder als Linolschnitt druckt.
So stellen wir uns mit selbst gedruckten Texten im Buch vor und haben zu unseren Linolschnitten „Elfchen“ gedruckt.
Unser Hauptthema hieß „das Alte Worms“. Deshalb haben wir uns das Heft „Kinder Stadtrallye“ im Touristen-Büro besorgt. Darin haben wir bei unserem Rundgang viele Rätsel gelöst, die mit der Geschichte unserer Stadt zu tun haben.
Hauptsächlich wollten wir uns danach mit Martin Luther beschäftigen. Da alle von uns Mädchen Musliminnen sind, haben wir uns aber erst mal mit Herrn Schmitt darüber unterhalten, was wir in der Moschee und der Koranschule für unsere Religion machen. Anschließend konnten wir uns besser vorstellen, warum Luther wichtig für die Christen ist.
Über alles berichten wir in unserem Buch mit selbst gedruckten Texten und Linolschnitten.

Wer sich dafür interessiert, kann hier eine PDF Datei mit einem ausführlicheren Bericht zum Projekt herunterladen: Bericht zu Buch-Druckprojekt Pesta IV
Da das neue Buch nicht wie sonst in einer Ausstellung vorgestellt werden konnte, zeigen wir dieses Mal mehr Fotos als sonst von seiner Entstehung.

Grundschulkinder schreiben über ihre Corona-Zeit

Plakat : Elke Beck – Alisa Stiftung Worms

Wie Wormser Kinder Corona sehen

Zwei Wochen hatten die Viertklässler Zeit, für einen Wettbewerb über ihre persönlichen Erfahrungen der letzten Monate zu schreiben. Jetzt wurden die Preise verliehen.
Von Katarina Schröder

Rucksäcke, Lesegutscheine und Trinkflaschen gab es für die zwölf ausgewählten Schüler. Foto: BilderKartell/Boris Korpak
Rucksäcke, Lesegutscheine und Trinkflaschen gab es für die zwölf ausgewählten Schüler.
(Foto: BilderKartell/Boris Korpak)

WORMS – „Es ist wichtig, die Kinder zu Wort kommen zu lassen“, sagt Claudia Koch, Leiterin der Fach- und Koordinierungsstelle „Demokratie leben!“, zur Preisverleihung des Schreibwettbewerbs „Kinder schreiben über ihre Corona-Zeit“.

Zwei Wochen hatten die Viertklässler aller Wormser Grundschulen Zeit, einen Aufsatz über ihre persönlichen Erfahrungen der letzten Monate zu schreiben. Von 760 Viertklässlern nahmen 90 an dem Wettbewerb teil. Die besten zwölf Teilnehmer wurden nun vor dem Wormser Rathaus geehrt.

Zu den zwölf Gewinnern gehört Jamie Wiechert aus Rheindürkheim. Der Viertklässler belegte mit seinem Aufsatz den dritten Platz. Inhalt seiner Arbeit war, wie die Kinder im Unterricht erfuhren, dass es vorerst keinen Unterricht im Klassenzimmer mehr geben werde. Er erzählte außerdem davon, wie er den Wochenplan meisterte und wie zahlreiche Veranstaltungen, zum Beispiel das Fußballtraining, ausfielen. Die anderen Teilnehmer fühlten es ihm nach und ergänzten ihre Erlebnisse zu den Folgen der Kontaktbeschränkung.

„Es ist wichtig, dass die Kinder über ihre Erfahrungen berichten, wie sie diese Zeit erlebt haben“, erklärte Koch die Entstehung der Projektidee. „Irgendwann ist das ein Zeitdokument“, ordnete sie die Texte der Schüler ein.

Koch initiierte das Projekt gemeinsam mit Bertram Schmitt von der Drucklernwerkstatt „Der kleine Gutenberg“. „Wir haben extra Grundschulen genommen, kein Gymnasium, weil da Kinder aus allen Gesellschaftsschichten drin sind“, führte Schmitt weiter aus. „Nicht alle Kinder haben von zu Hause aus die Möglichkeit, Schriftsprache zu erlernen. Wir haben versucht, das bei der Auswertung zu beachten“, so der ehemalige Lehrer. In diesem Sinne sollte der Wettbewerb die Kinder nicht nur dazu anregen, aktiv die Corona-Zeit zu verarbeiten, sondern auch die Freude am Schreiben wecken.

PREISTRÄGER DES SCHREIBWETTBEWERBS
Mara Marincevic, Kerschensteiner Schule; Joel Diefenthäler, Kerschensteiner Schule; Jamie Wiechert, Grundschule Rheindürkheim; Matthias Kern, Grundschule Rheindürkheim; Rawan Obeid, Neusatzschule; Mariam Grober, Diesterweg Grundschule; Ronja Schönsteiner, Kerschensteiner Schule; Rafael Brommer, Geschwister-Scholl-Schule; Ida Stellingwerf, Paternus Grundschule; Zeynab Rahal, Karmeliter Grundschule; Dave Busch, Staudinger Grundschule; Ecem Üstün, Pestalozzis
chule.

Als Jury reihten sich neben Koch und Schmitt Patricia Schäfer, Leiterin des Alisa-Zentrums, und Waldemar Herder, Schuldezernent, ein. Letzterer überreichte die Preise an die zwölf ausgewählten Schüler. Verliehen wurden Rucksäcke, Lesegutscheine im Wert von 20 Euro und Trinkflaschen. Für die Plätze zwei bis fünf gab es einen Gutschein für einen Workshop in der Drucklernwerkstatt „Der kleine Gutenberg“. Der erste Platz, den Mara Marincevic von der Kerschensteiner Schule belegte, wurde mit einer Teilnahme am Alisa-Herbstferienprogramm „Englisch fun & action“ geehrt.

Insgesamt bewertete die Jury die Arbeiten als sehr gelungen. Lobende Worte äußerte Patricia Schäfer: „Das ist eine tolle Qualität, die da geliefert wurde.“ Sie bezeichnete die Arbeiten gar als „Wortkunstwerke“. Auch Herder zeigte sich sichtlich erfreut über das Ergebnis und bot zum Abschluss der Veranstaltung allen Teilnehmern, deren Lust am Lesen und Schreiben nun geweckt ist, eine private Führung in der Stadtbibliothek an.
Bericht: Wormser Zeitung, Samstag, 27.06.2020


Eigener Bericht von der Vorbereitung des Schreibwettbewerbs

Alle vierzehn Wormser Grundschulen habe ich am Freitag, den 29.05.20 aufgesucht, um die Materialien für den Schreibwettbewerb „Kinder schreiben über ihre Corona-Zeit“ abzugeben. Da war kein Pausengewimmel, wie man es sonst auf den Schulhöfen kennt. Stattdessen gab es kleinere Gruppen spielender Kinder mit Masken, die gehörigen Abstand voneinander hielten. Auch Lehrkräfte und Schulleiter trugen Nasen – und Mundschutz. Eine Schulleiterin meinte, als sie das Material bekam, eigentlich müsse es auch ein Schreibprojekt für Lehrkräfte geben.

Genau am 12. März 2020 waren die ersten vier Wormser Schulen im BIZ geschlossen worden, weil ein Schüler positiv auf SARS-CoV-2 getestet wurde. Die Schließung der anderen Schulen erfolgte ab 16.03.20. Auch alle Grundschüler und – schülerinnen durften nicht mehr die Schule besuchen. Sie bekamen nur noch Aufgaben, die sie Zuhause bearbeiten sollten. Kontakt zu Lehrerin oder Lehrer war nur über Telefon oder PC möglich. Die Kinder mussten selbst mit den Aufgaben klar kommen, wenn sie keine Hilfe von Eltern, Geschwistern oder jemand anderem bekamen.

Schulfreunde und Schulfreundinnen konnten sie lange Zeit nicht treffen, nicht einmal draußen. Sogar Spielplätze blieben geschlossen. Es gab keine Aktivitäten im Sportverein, kein Fußball, kein Schwimmbad und kein Kino. Erst seit 04. Mai besuchen die Schüler- und Schülerinnen der vierten Klassen wieder in die Schule im Schichtbetrieb und unter strengen Hygieneauflagen.

Ende April hatte Claudia Koch, die für die Stadt Worms die Projekte von „Demokratie Leben“ (DL) des Programms des Bundesfamilienministeriums koordiniert, mich angerufen. Sie machte den Vorschlag eines Schreibwettbewerbs, der SchülerInnen die Gelegenheit geben könnte, über ihre Erlebnisse während der Schulschließungen der Corona-Zeit zu berichten.
Als Lehrer und Schulleiter in Ruhestand, dessen Drucklernwerkstatt „Der kleine Gutenberg“ auch wegen Corona stillsteht, fand ich es eine prima Idee. Ganz nach dem Motto von Celestine Freinet „Den Kindern das Wort geben“ könnten diese so Corona-Erlebnisse aus ihrer Sicht schildern und der Öffentlichkeit zugänglich machen.
DL-Projekte brauchen immer auch einen Träger, der sie beantragt. Patricia Schäfer, Leiterin des Alisa Zentrums Worms, war gleich mit im Boot. So wurden die Koordinaten des Schreibwettbewerbs gemeinsam festgelegt und Schmitt machte sich an die Umsetzung.
Ein Flyer, der den Kindern den Schreibwettbewerb erklärt, wurde erstellt. Darin heißt es:

Schreibe uns deine Geschichte, wie du mit der Corona-Zeit klar gekommen bist. Hier ein paar Fragen, die dir vielleicht beim Schreiben helfen…

  • Hast du dich gefreut, dass du nicht in die Schule musst?
  • Hast du verstanden, warum die Schulen geschlossen waren?
  • Was war schwierig? Was hast du kaum ausgehalten?
  • Hattest du besondere Angst vor etwas?
  • Wer oder was hat dir besonders gefehlt?
  • Wer oder was hat dir geholfen?
  • Hast du vielleicht Neues entdeckt?
  • Wie hat sich deine Stimmung mit der Zeit verändert?
  • Was wünschst du dir im Moment?

Schreibe uns alles auf, was dir einfällt, über die Zeit ohne Schule mit den vielen Einschränkungen deines Alltags.

Ihren Text sollen die Grundschulkinder auf ein vorgedrucktes Blatt schreiben. Ein Brief an die Lehrkräfte wurde ebenfalls formuliert.  Schließlich sind die Bedingungen für geregelten Schulunterricht derzeit alles andere als einfach und dann kommen auch noch solche „Extra-Aufgaben“ dazu.

Zwei Wochen Zeit haben die Viertklässler und Viertklässlerinnen jetzt um ihre Geschichte über die Corona-Zeit in Wort und vielleicht auch Bild zu Papier zu bringen.

Eine Jury wird danach die besten Arbeiten auswählen. Zwölf Preisträger soll es geben. Der erste Preis ist die Teilnahme am ALISA-Herbstferienprogramm: „Englisch fun & action“. Die Preise zwei bis fünf sind Gutscheine für einen gemeinsamen Workshop in der Drucklern- werkstatt  „Der kleine Gutenberg“. Außerdem gibt es Lesegutscheine im Wert von jeweils 20,- Euro und den tollen ALISA-Rucksack zu gewinnen.

Natürlich ist auch eine Ausstellung geplant. Diese könnte zunächst in der Schule des Kindes, das den ersten Preis gewinnt, stattfinden. Sie soll für die anderen Grundschulen vervielfältigt werden. Auch eine Ausstellung im Rathaus ist vorgesehen.

Um die Aktionen zum Schreibwettbewerb abzuschließen ist bis zum 4. Juli Zeit. Danach kommen die Sommerferien und dann hoffentlich wieder ein „normales“ Schuljahr.

Druckprojekt III mit PestalozzischülerInnen

Am 18. Dezember 2019 gab es im Offenen Kanal Worms ein neues Adventskalendertürchen zu öffnen und was und wer war dahinter:
Wir sechs Kinder in der Drucklernwerkstatt „Der kleine Gutenberg“!

Natürlich müsst ihr euch das Video unbedingt ansehen, indem ihr auf das Foto klickt.

Szenefoto Adventskalender Video

„Grundschulkinder entdecken das Alte Worms“

Seit August 2019 läuft das dritte Projekt mit PestalozzischülerInnen in der Drucklernwerkstatt „der kleine Gutenberg“. Jeden Mittwochmittag sind wir Mädchen und Jungen der dritten und vierten Klasse der Pesta in der Lernwerkstatt. Das aktuelle Thema heißt „Wir entdecken das Alte Worms“.
Zu Anfang haben wir uns mit Johannes Gutenberg und seiner Erfindung des Buchdrucks mit beweglichen Metalllettern beschäftigt. Dazu gehörte natürlich auch das Setzen und Drucken eines Berichts über Johannes Gutenberg.
Nach einer Stadtrallye zum Kennenlernen der Wormser Geschichte (Broschüre der Touristen Information Worms) haben wir uns mit dem Nibelungenlied und seinen Hauptpersonen – Siegfried, Kriemhild, Brunhild und Hagen – befasst. Jedem wurde ein Linolschnitt und ein selbst gedruckter Text gewidmet.
Da Worms vor fast 2000 Jahren zum Römischen Reich gehörte, haben wir uns einen Film über „Die Römer“ angesehen. Linolschnitte haben wir von Römerinnen und Römern in typisch römischer Kleidung und von Legionären angefertigt. Dazu gibt es einen Text über den Film.
Natürlich haben wir auch Linolschnitte nach eigenen Motiven ausgehoben. Dazu kommen selbst gedruckte Texte, mit denen wir uns vorstellen.
Das alles wird in unserem neuen Buch drin sein. Dazu kommen jede Menge tolle Fotos aus der Drucklernwerkstatt, auf denen zu sehen ist, wie wir setzen, drucken, Linol schneiden und Spaß haben …
Unser Buch wurde am letzten Schultag, dem 31.01.2020, um 10.00 Uhr bevor es Zeugnisse gab, in der Aula der Pestalozzischule vorgestellt

Die Wormser Zeitung schrieb darüber:
Montag, 03.02.2020

Wormser Pestalozzi-Schüler produzieren Buch

Die Römer und die Nibelungen: Die Grundschüler haben das alte Worms entdeckt und im Anschluss mit der Drucklehrwerkstatt „Der kleine Gutenberg“ ein Buch produziert.
Von Ulrike Schäfer


Foto: Wormser Zeitung 03.02.2020

Ein bisschen aufgeregt waren (v.l.) Dilan, Rüveyda, Dilara, Melda, Leonit und Ali, als sie ihre Elfchen vortrugen. Produziert hatten sie das Buch mit Bertram Schmitt (r.). In dessen Drucklehrwerkstatt waren die Schüler im vergangenen Halbjahr einmal wöchentlich zu Gast. (Foto: BK/Hartmann)

WORMS – Sie kicherten und traten von einem Fuß auf den anderen. Gleich sollten sie vor einem gespannten Publikum aus Mitschülern, Eltern und Lehrern in der Aula der Pestalozzi-Schule ihre eigene kleine Biografie und ihre „Elfchen“, Gedichte, die aus elf Wörtern bestehen, vorlesen. „Kannst du nicht für mich lesen?“, fragte Ali die WZ-Mitarbeiterin kokett. War aber gar nicht nötig. Souverän wie eine Fernsehsprecherin übernahm Melda die Ansage, und als Ali an der Reihe war, klappte es ganz wunderbar. Wie auch bei den anderen.

Ali (10), Dilan (8), Dilara (8), Leonit (9), Melda (9) und Rüveyda (9) waren im vergangenen Halbjahr einmal wöchentlich mit Lena Isselhard, Erzieherin im Anerkennungsjahr, in der bestens ausgestatteten Drucklehrwerkstatt „Der kleine Gutenberg“ von Bertram Schmitt und produzierten mit ihm ein wunderschönes Buch. Es heißt „Grundschulkinder entdecken das alte Worms“. Nicht nur die Biografien und die Elfchen sind darin zu finden, sondern auch Informationen über Johannes Gutenberg, ein unterhaltsames Gespräch mit Bertram Schmitt über die Römer in Worms und eine Zusammenfassung der Nibelungensage, alles illustriert mit schönen Linolschnitten. Angefangen hatte aber alles mit einer Stadtrallye, bei der es viel zu entdecken gab. Viele Fotos von dieser Tour, aber auch vom Drucken in der Werkstatt in der Zornstraße 17 machen das Buch rund.

Rektorin Caroline Strauß stellte es vor mit viel Humor. Sind die Dramen, die sich im Nibelungenlied abspielen, nicht die gleichen wie heute, nur, dass die Frauen, die sich um einen Mann streiten, nicht Kriemhild und Brunhild, sondern Chantal und Jennifer heißen? Einen Kommentar dazu zitierte sie aus dem Buch. Er lautet: „Jungs sind stark, Mädchen sind Quark.“ Strauß bedankte sich ganz besonders bei Bertram Schmitt, der nun schon das dritte Buchprojekt mit der Pestalozzi-Schule durchgeführt hat. Die Projektleitung hatte auch dieses Mal wieder die Alisa-Stiftung mit Unterstützung von Demokratie leben! Worms.

Christian Bittmann, Leiter der Stiftung, nannte Schmitt einen Segen für die Schule und für Alisa. Besonders habe ihm an diesem Buch gefallen, dass die kleinen Autoren sorgsam und abwägend mit ihren Worten umgegangen seien. „Das ist gerade heute sehr wichtig“, sagte er, „denn Worte haben eine große Macht.“

Der Clou dieser Feierstunde war ein Film, den Bertram Schmitt zeigte. Der Offene Kanal hatte ihn in der Adventszeit mit den Kindern der Druck-AG gedreht. Natürlich erhielten die sechs Teilnehmer dann auch ein Exemplar ihres Buchs. Die übrigen Kinder konnten sich die vergrößerten Seiten in einer Schau anschauen, und alle bekamen ein Tütchen Popcorn.

 

 

 

 

 

Druckprojekt II mit PestalozzischülerInnen

Der richtige Einstieg für die Sommerferien

„Gute Freunde“ – Pestalozzikinder stellen ihr Buch vor / Fokus auf unterschiedlichen Herkunftsländer der Kinder / Austausch über Traditionen und Gepflogenheiten

„Alle meine Entchen Schwimmen auf dem See“-„ Schwimmen auf dem See, Schwimmen auf dem See“ – „Köpfchen in das Wasser, Schwänzchen in die Höh“ – „Schwänzchen in die Höh, Schwänzchen in die Höh.“ So ging der „Alle meine Entchen“ –Rap, den sechs Schülerinnen und Schüler im Dialog zwischen Rappern und Background-Gruppe vortrugen. Das brachte ihnen kräftige Zugabe Rufe des Publikums ein. Dieses bestand aus Hundert Dritt- und Viertklässlerinnen und – klässlern, den zugehörigen Lehrkräften und einigen Gästen, die der Einladung gefolgt waren. Der Rap gehörte zum Programm, mit dem die sechs Kinder der Druck-AG der Schule ihr neues Buch „ Gute Freunde“ vorstellten. Dessen Seiten waren auf Plakaten an Stellwänden in der Aula der Pestalozzischule aufgehängt.

Fokus auf unterschiedliche Herkunftsländer der Kinder

Schulleiterin Caroline Strauss bedankte sich bei der Initiative „Demokratie Leben“ für die finanzielle Förderung der beiden Druckprojekte, die in zwei Teilen über das Schuljahr 2018-19 vonstattengingen. Die Alisa Stiftung fungierte jeweils als Träger. Bertram Schmitt hat beide Projekte in seiner Drucklernwerkstatt „Der kleine Gutenberg“ in der Zornstraße durchgeführt. Er stellte zunächst die Kinder vor, die an der Druck-AG im ersten Halbjahr teilgenommen hatten. Zum zweiten Buch „Gute Freunde“ merkte er an, dass dabei versucht wurde, den Fokus auf die unterschiedlichen Herkunftsländer der Kinder, ihre Sprache und Kultur zu lenken. Das Motto des Workshops hieß entsprechend „miteinander drucken, voneinander lernen“. Schmitt führte aus, an der Pestalozzischule würden Kinder aus vielen verschiedenen Ländern unterrichtet. Die Schule fördere seit langem den interkulturellen Austausch zwischen SchülerInnen unterschiedlicher Herkunftsländer. Das gegenseitige Wissen und Verständnis zu unterschiedlichen kulturellen und religiösen Gepflogenheiten brauche beständige Pflege.

Austausch über Traditionen und Gepflogenheiten

Wenn die Kinder in der relativ kleinen Lerngruppe mittwochnachmittags zusammen kamen, bot sich im Gespräch die Gelegenheit zum Austausch über solche unterschiedliche Traditionen und Gepflogenheiten. So könne das gegenseitige Interesse aneinander und das Verständnis füreinander gefördert werden. Das Formulieren von Elfchen oder Geschichten zu diesen Themen und das Setzen von Texten mit beweglichen Lettern sowie der Entwurf von passenden Motiven für Linolschnitte verlangte Reflexion der Kinder neben der intensiven handwerklichen Beschäftigung. So sei nicht nur bei SchülerInnen mit Migrationshintergrund sondern auch bei deutschen Kindern davon auszugehen, dass der aktive und passive Wortschatz durch das Erzählen, Schreiben, Drucken und Präsentieren eine Erweiterung erfährt. Das durchgeführte Projekt in der Druckwerkstatt wirke somit interkulturell und demokratischen gesehen emanzipatorisch und fördere die kulturelle und sprachliche Integration der beteiligten Kinder.

Die sechs Kinder des Workshops – Baran Devrim, Batuhan Arslaner, Erdem Bekar, Julia Callaba, Kira Kiene und Linus Drach – lasen jeweils ihre selbst verfassten Elfchen und Texte aus dem Buch vor. Da ging es um das sich Wohlfühlen in Deutschland oder der Türkei, darum, wo man welche Sprache spricht und wie sich das aufs Gefühl auswirkt oder auch wie Kinder mit dem Fasten umgehen. Ein Traum von einem Flug wird beschrieben oder wie Pizza und Döner starke Jungs hervorbringen. Klein Micky läuft der Mama weg, dass die fast zur „Micky Maus“ wird. Eine Zauberblume erfüllt die Stadt mit ihrem Zauber. Ein Elfchen erzählt von Monstern, die Schokolade lieben.

All diese Themen waren von den Buchautoren mit bunten Linolschnitten illustriert, die in der Ausstellung besichtigt werden konnten. Redewendungen aus den Sprachen Deutsch, Türkisch, Kurdisch, Spanisch und Englisch sind im Buch abgedruckt und wurden von den Kindern vorgestellt. Besonders gut kamen drei Kinderlieder an, die die Kinder vorsangen. ‚Ali Babanin çıftıgı‘ erzählte vom Bauern auf dessen Bauernhof die Tierstimmen erklingen. ‚Un Elefante‘ beschreibt, wıe Elefanten dıe Festıgkeıt eınes Spinnennetzes testen. Der „Alle meine Entchen“ – Rap brachte das mehrheitlich jugendliche Publikum in der Pestalozzi-Aula abschließend zum Toben. Das war genau der richtige Einstieg für die Sommerferien.

Bericht: Nibelungenkurier 03.07.19

https://nibelungen-kurier.de/der-richtige-einstieg-fuer-die-sommerferien/

Druck- und Sprachprojekt mit Schülerinnen des Kindertreff 93

Auf den Spuren von Johannes Gutenberg wandelten Kinder aus der Tagesstätte Treff 93 in Neuhausen.
Neben handwerklichen Fähigkeiten wurde auch die Sprachkompetenz gefördert.

Von Michaela Weber

Druckprojekt für Schul-Hortkinder in Neuhausen

Druck- und Sprachprojekt KT 93


In der Lernwerkstatt für Handsatz, Text- und Kunstdruck war der Nachwuchs aus dem Kindertreff 93 zu Gast. Bertram Schmitt (li.) führte in die Kunst des Druckens ein. Die Beauftragte für Migration und Integration, Sabine Müller (2.v.r.), war beeindruckt von dem Projekt. Foto: BilderKartell / Ben Pakalski


NEUHAUSEN – Einmal selber mit beweglichen Metalllettern und Winkelhaken drucken, wie bereits von Johannes Gutenberg entwickelt und über Jahrhunderte im Buchdruck verwendet, dazu hatten Schul-Hortkinder der städtischen Kindertagesstätte Treff 93 im Stadtteil Neuhausen nun die Möglichkeit. Im Rahmen des Projekts „Der kleine Gutenberg“, das als Sprachlernprojekt durch Mittel der Migrations- und Integrationsbeauftragten gefördert wurde, waren zehn Mädchen seit November regelmäßig in der gleichnamigen Lernwerkstatt für Handsatz, Text- und Kunstdruck in der Zornstraße zu Gast.
Bevor es aber für die jungen Setzerinnen und Druckerinnen im Alter zwischen sechs und zwölf Jahren an Farben und Walze ging, hieß es zunächst eine Vorlage mit einem selbst gewählten Motiv zu zeichnen und diese dann in eine Linolplatte zu schnitzen. Über die Vielzahl und Originalität der entstandenen Bilder, die von Herzen, Einhörnern und Katzen über Luftballons und Vögeln bis hin zu Vampiren reichten, staunte nicht nur Sabine Müller, die bei der Präsentation der Ergebnisse zugegen war. „Das ist ein schönes Zusatzangebot für Kinder, die von Zuhause aus nicht soviel Förderung erfahren,“ freute sich die Beauftragte für Migration und Integration, der es besonders die sogenannten „Elfchen“ angetan hatten, kleine Gedichte bestehend aus elf Wörtern, die in festgelegter Folge auf fünf Zeilen verteilt werden. Diese konnten die Kinder ebenso verfassen wie eine kleine Geschichte und diese mit einem eigenen Bild zusammen drucken.
Durch diese Verbindung von handwerklicher Betätigung, Textgestaltung und Sprache solle der vorhandene Wortschatz in Deutsch erweitert und auch die Rechtschreibung verbessert werden, so Müller.
Während Sechstklässlerin Emely viel Spaß am richtigen Buchstabieren und Setzen hatte, fand Lara besonders am Zeichnen und Schreiben ihrer Geschichte vom einsamen Vogel Freude. Lernwerkstattbetreiber Bertram Schmitt war überzeugt, dass der Umgang mit den beweglichen Lettern beim Textsatz und Druck es erlaube, die Sprache für die Kinder im wahrsten Sinn des Wortes begreifbar zu machen.: „Der einzelne Buchstabe ist plötzlich wieder wer.“
Er achtete beim spiegelverkehrten Setzen der Lettern und seitenverkehrten Aufbau der Zeilen auf Fehler oder erklärte, worauf es beim Drucken mit mehreren Farben von Gelb über Rot nach Blau zu achten galt.
Neben dieser Praxis kam mit dem Erlernen der Fachsprache rund ums Drucken, durch die Benennung der Materialien, Werkzeuge und Arbeitsvorgänge aber auch die Theorie nicht zu kurz.
Für Kita-Leiterin Margit Frey war das eine „tolle Verbindung von Spaß, Ferienprogramm und Sprachförderung“. Sie konnte die ersten Druckversuche der Einladungskarten für das große Treff 93-Fest am 18. Mai rund um das Thema „Glück“ in Augenschein nehmen, wo die Ergebnisse des Gutenberg-Projekts im Rahmen einer großen Ausstellung präsentiert werden sollen.

Bericht: Wormser Zeitung, 28.02.19